1 Jahr Respekt Coaches an Schulen: "Die Leute gehen respektvoller miteinander um"

Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte der Neuköllner Fritz-Karsen-Schule sind sich einig: Nach dem ersten Jahr des Präventionsprogramms hat sich für sie viel verändert. Gemeinsam mit Bundesjugendministerin Giffey zogen sie in Berlin eine Zwischenbilanz.

Es gibt Grund zu feiern, denn das Programm geht weiter: Ministerin Giffey zu Besuch an der Fritz-Karsen-Schule.

Es gibt Grund zu feiern, denn das Programm geht weiter: Ministerin Giffey zu Besuch an der Fritz-Karsen-Schule.

Ein Kooperationstraining für ein besseres Miteinander in der Klasse. Ein Klassenrat, in dem Siebtklässler*innen ihre Anliegen diskutieren. Eine Graffiti-AG, in der sich Mädchen mit verschiedenen Weiblichkeitsmodellen auseinandersetzen. Die Angebote, die Adrian de Souza Martins im vergangenen Jahr an der Neuköllner Gemeinschaftsschule angestoßen hat, sind vielfältig. Ihre Gemeinsamkeit: Sie sollen die Persönlichkeit und die sozialen Kompetenzen der Jugendlichen stärken und ein respektvolles Schulklima fördern.

Jugendliche stärken, Lehrkräfte entlasten

Im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend tragen de Souza Martins und die anderen rund 220 Mitarbeitenden im Programm Respekt Coaches seit 2018 dazu bei, Gewalt, Hass und Radikalisierung an Schulen vorzubeugen. „Ich unterstütze dabei, demokratiefördernde Angebote an die Schule zu holen“, beschreibt de Souza Martins seine Aufgabe. Im Austausch mit Schulleitung, Lehrkräften, Schulsozialarbeit und Schülerinnen und Schülern ermittelt er, welche Themen der Schule wichtig sind, und entwickelt ein individuelles Präventionskonzept. Dann sucht er Träger der politischen Bildung, die an der Schule passende Workshops und Projekttage durchführen. Lehrerin Gabi Elverich ist dankbar für die Unterstützung: „Er bringt Kompetenz und Ressourcen mit und begleitet das Thema kontinuierlich.“ Denn das können viele Lehrkräfte im Unterrichtsalltag nicht leisten.

Zwei Schüler*innen der 11. Klasse beschreiben auf dem Podium die positive Wirkung des Präventionsprogramms an der Schule.

Zwei Schüler*innen der 11. Klasse beschreiben auf dem Podium die positive Wirkung des Präventionsprogramms an der Schule.

 

Mitschüler*innen gehen respektvoller miteinander um, berichten die Jugendlichen

Das Jubiläum feierte Bundesjugendministerin Dr. Franziska Giffey im November gemeinsam mit Respekt-Coaches-Mitarbeitenden aus Berlin und Brandenburg an der Fritz-Karsen-Schule. Dort berichteten die Elftklässler Björn und Anna-Lena, wie sich ihr Schulalltag durch das Programm verändert hat. Sie treffen sich einmal pro Woche mit Schüler*innen verschiedener Klassenstufen in der AG „Respekt und Vielfalt“. Dort lernen sie, wie man gegen Diskriminierung im eigenen Umfeld vorgehen kann und geben das neu erlernte Wissen an andere Schüler*innen weiter. „Es ist ein schönes Gefühl zu sehen, dass es eine Entwicklung gibt, dass die Leute respektvoller miteinander umgehen“, sagt Björn.

Giffey: Anders Denkenden mit Respekt begegnen

Auch Giffey zieht eine positive Zwischenbilanz: „Fast 40.000 Schülerinnen und Schüler haben seit dem Start des Bundesprogramms mit einem Respekt Coach gearbeitet. An rund 300 Schulen wurden mehr als 1000 Workshops, AGs und andere Angebote durchgeführt. Das zeigt, wie groß der Bedarf ist und dass wir hier nicht nachlassen dürfen. Als Jugendministerin ist es mir wichtig, die Schulen darin zu unterstützen, tolerante und weltoffene Schülerinnen und Schüler hervorzubringen, die wissen, wie man ohne Gewalt und Hass zusammenlebt. Denn das gehört zu unserer demokratischen Gesellschaft dazu: Man muss nicht einer Meinung sein, aber man muss anders Denkenden mit Respekt begegnen.“

Jugendmigrationsdienste als wichtiger Partner – auch in kommenden Jahren Das Programm Respekt Coaches wird 2020 weitergeführt, die Mittel sind – vorbehaltlich der Zustimmung durch das Parlament – in gleichbleibender Höhe von 21 Millionen Euro im Haushalt für das kommende Jahr vorgesehen. „Ich werde mich dafür einsetzen, dass das Bundesprogramm auch in den kommenden Jahren weitergeht“, so die Ministerin. Die vom Bundesjugendministerium geförderten Jugendmigrationsdienste (JMD) setzen das Programm gemeinsam mit Fachkräften der Extremismusprävention und der politischen Bildung um. Träger der JMD sind Arbeiterwohlfahrt, Bundesarbeitsgemeinschaft Evangelische Jugendsozialarbeit, Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit, Internationaler Bund, Paritätischer Gesamtverband und Deutsches Rotes Kreuz.

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Text: Servicebüro Jugendmigrationsdienste | Fotos: Jugendmigrationsdienste/apropos_foto